FAQ

Wie lange muß ich eine (herausnehmbare) Zahnspange tragen?

Das ist nicht pauschal zu beantworten, weil es auf Typ und Zweck des Gerätes ankommt. Manche Geräte müssen 14 Stunden täglich getragen werden, manche absichtlich nur 10-12 Stunden, wieder andere nur nachts beim Schlafen (ca. 7 Stunden). Wichtig ist, daß die verordnete Tragezeit und Tragefrequenz (verordnete Tragezeit bei herausnehmbaren Geräten) vom Patienten eingehalten wird. Leider neigen einige Patienten dazu, das Gerät entgegen der Verordnung, z. B. zu wenig oder unregelmäßig zu tragen und wundern sich dann über dadurch selbst verschuldete Beschwerden und Nebenwirkungen.

 

Was ist eine festsitzende Spange (Multibracket-Apparatur)?

Im Volksmund versteht man darunter fälschlicherweise nur die Apparatur, die aus auf die Zähne aufgeklebten Brackets und den sogenannten Drahtbögen (zur Bewegung der Zähne) besteht (richtig: Multibracket-Apparatur). „Festsitzende Zahnspange“ ist aber tatsächlich ein Überbegriff auch für alle weiteren festsitzenden Geräte (davon gibt es noch zahlreiche andere).

 

Was ist ein Bracket?

Das Bracket ist ein Übertragungsmedium, das auf den Zahn (Außenfläche) aufgeklebt wird (mit einem zahnpflegenden fluoridierten Kunststoff) und welches die Kräfte der (am Bracket fixierten) Drahtbögen auf die Zähne zu deren Bewegung von A nach B überträgt. Im Regelfall bzw. in der Basisversion ist es aus Stahl. Es gibt aber auch Varianten aus anderen Materialien, die optisch unauffälliger sind. Es gibt auch innen, zungenseitig geklebte, sogenannte Lingualbrackets.

 

Lingualbrackets?

Die Brackets sind innen, zungenseitig geklebt, also unsichtbar. Hier muss man allerdings über einige nachteilige Nebenaspekte sich sehr ausführlich im Einzelgespräch unterhalten.

 

Was ist ein keramisches Bracket ?

Das Bracket besteht nicht aus Stahl, sondern aus Keramik oder einem werkstoffkundlich ähnlichen Material, mit dem Ziel optisch unauffälliger zu sein, weil es der weißlichen Zahnfarbe sehr nahekommt. Es gibt auch zahnfarbene Brackets aus Kunststoff, die wir aber nicht verwenden, weil sie werkstoffkundlich meist nicht ausreichend gute Eigenschaften aufweisen.

 

Invisalign?

Invisalign ist zunächst eine kommerzielle Firma. Die Idee ist, statt mit Brackets und Drahtbögen mittels durchsichtiger Kunststoffschienen im Ober- und Unterkiefer die Zähne zu bewegen. Ich bin für Invisalign zertifiziert. Allerdings muß man bei der Anwendung, anders als von der Werbung versprochen, sehr differenziert den jeweiligen Einzelfall berücksichtigen und zahlreiche in der Werbung nicht benannte Nachteile sehr deutlich ansprechen. Das kann aber hier nicht allgemein dargestellt werden, es betrifft jedoch viele wesentliche Kategorien, das subjektive Trageempfinden, die Behandlungsdauer, die Kosten und nicht zuletzt die grundsätzliche Erreichbarkeit der Behandlungsziele. Hier gibt es einiges im Beratungsgespräch anzusprechen.

 

Harmonieschiene?

Aus Sicht des Laien handelt es sich um das Prinzip ähnlich wie bei invisalign (siehe FAQ invisalign).

 

Die Zähne sind nicht schief, alles in Ordnung?

Nein. Es gibt viele versteckte Zahn- und Kiefer-Fehlstellungen, die aus Sicht des Laien nicht erkennbar sind. Die Schneidezähne können gut aussehen und trotzdem kann ein erheblicher Fehlbiss (im wesentlichen Seitenzahnbereich) vorliegen, der sogar dringend behandlungsbedürftig ist. Also bitte, gerade bei Kindern, auf jeden Fall spätestens mit 9 Jahren immer vom Kieferorthopäden kontrollieren lassen, um fatale Fehleinschätzungen zu vermeiden.

 

In welchem Alter gehe ich zum Kieferorthopäden?

Kinder:
Eine erste Untersuchung kann je nach Fehlstellung schon mit 6-7 Jahren sinnvoll sein. Im Allgemeinen beginnt man bei extremen Fehlstellungen im Alter von 8-9 Jahren mit einer Frühbehandlung . Der normale Behandlungsbeginn liegt jedoch bei 9-11 Jahren je nach Zahnwechsel. Meist sind die Mädchen den Jungen 1-2 Jahre in der Entwicklung voraus, so dass bei Mädchen oft mit 9 oder 10 Jahren begonnen wird, bei Jungen erst mit 11 Jahren.

Erwachsene:
Eine kieferorthopädische Behandlung ist grundsätzlich in jedem Lebensalter möglich, wenn Zähne und Knochen gesund sind. Typische Behandlungen sind die Auflösung von Engständen oder (begrenzt) das Schließen von Lücken. Anders als bei Kindern ist eine Beeinflussung des Wachstums der Kiefer nicht mehr möglich. Wenn also Ober- oder Unterkiefer erheblich zu weit vorne oder hinten liegen, müssen die Kiefer chirurgisch, d.h. in einer Operation versetzt werden. Die Kosten einer solchen kieferorthopädisch-kieferchirurgischen Therapie werden bei Erwachsenen in einigen Fällen von der gesetzlichen Krankenversicherung bezuschusst. Lassen Sie sich unverbindlich beraten. Eine erste Beratung bei uns wird von der Krankenkasse bezahlt. Darin erklären wir Ihnen, welche Fehlstellungen vorliegen und welche Möglichkeiten der Behandlung es gibt. Dabei werden Ihre Wünsche berücksichtigt, soweit sie fachlich vertretbar sind.

 

Mein Zahnarzt macht auch Zahnspangen – was ist denn ein Kieferorthopäde?

Die offizielle Bezeichnung für einen Kieferorthopäden ist „Fachzahnarzt für Kieferorthopädie“. Als Fachzahnarzt für Kieferorthopädie studiert man zunächst Zahnmedizin. Danach schließt sich eine vier Jahre dauernde Weiterbildung an. In diesen 4 Jahren arbeitet man 1 Jahr allgemeinzahnärztlich, mindestens 1 Jahr in der kieferorthopädischen Abteilung einer Universitätsklinik und den Rest in einer kieferorthopädischen Fachpraxis. Am Ende der 4 Jahre steht die Facharztprüfung, bei der man praktische Erfahrung und theoretisches Wissen nachweisen muss. Als Kieferorthopäde arbeitet man dann meistens nur noch in seinem Spezialgebiet, auch wenn man das Legen von Füllungen und Entfernen von Zähnen gelernt hat. Grundsätzlich darf jeder „normale“ Zahnarzt kieferorthopädisch behandeln. Es bleibt jedoch zu überlegen, ob ein Zahnarzt, der keine Weiterbildung hat und der auch die anderen Teilgebiete der Zahnmedizin abdeckt, die gleiche Erfahrung und Qualität bieten kann wie ein Fachzahnarzt für Kieferorthopädie. Zudem gibt es leider Zusatzbezeichnungen (z.B. Master of Science Kieferorthopädie oder Tätigkeitsschwerpunkt Kieferorthopädie) auf dem Markt, die den Patienten verwirren und es erschweren, den Fachzahnarzt für Kieferorthopädie zu finden.

 

Wird heutzutage nicht zu viel behandelt?

Nein, im Vordergrund steht immer die Entscheidung, ob eine Behandlung aus medizinischen Gründen sinnvoll ist. Dass gerade Zähne auch ästhetisch besser wirken, ist ein positiver Nebeneffekt. Heute wird jedoch mehr Wert auf gesunde und gerade Zähne gelegt, die Menschen sind aufgeklärter und die schädlichen Folgen von Zahn- und Kieferfehlstellungen besser bekannt. Dadurch finden mehr Menschen den Weg zu uns.

 

Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse?

Bis zum 18. Lebensjahr übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten einer Behandlung dann, wenn Fehlstellungen des Schweregrades 3-5 vorliegen. Die Schweregrade sind in den kieferorthopädischen Indikationsgruppen (kurz KIG) eindeutig festgelegt und werden von Ihrem Kieferorthopäden nach eingehender Untersuchung bestimmt. Bei Fehlstellungen des Schweregrades 1 oder 2 werden keine Kosten erstattet, auch wenn die Behandlung medizinisch notwendig ist. Bei Schweregrad 3-5 übernimmt die Krankenkasse die Kosten einer Basisbehandlung. Es gibt jedoch zahlreiche Maßnahmen und Geräte, die nicht erstattet werden, die Sie aber privat dazu wählen können, um die Behandlung zu optimieren (sog. „außervertragliche Leistungen„).
Bei über 18-Jährigen werden die Kosten einer kieferorthopädischen Behandlung nur übernommen, wenn Sie in Verbindung mit einer chirurgischen Lagekorrektur der Kieferknochen einhergeht und eine bestimmte KIG-Einstufung vorliegt.

 

Herausnehmbare oder festsitzende Klammer – kann ich mir das aussuchen?

Leider nein, denn beide Klammerarten haben verschiedene Aufgaben und werden während einer Behandlung oft nacheinander oder kombiniert eingesetzt. Lose Klammern können dabei Dinge, die feste nicht können und umgekehrt. Mit herausnehmbaren Geräten lässt sich z.B. das Kieferwachstum sehr gut fördern oder hemmen. Mit einer festsitzenden Klammer dagegen lassen sich Zähne gezielt und kontrolliert in fast jede beliebige Richtung körperlich, d.h. ohne Kippung, bewegen.

 

Ist eine kieferorthopädische Behandlung schmerzhaft?

„Jain“. Wenn Zähne bewegt werden sollen, muss man eine maßvolle Kraft anwenden. Die Zähne müssen sich anfangs an die Druck- oder Zugkräfte gewöhnen. Nach dem Einsetzen einer Klammer oder nach erneuter Aktivierung ist es normal, wenn man ein leichtes Druckgefühl an den Zähnen spürt, besonders beim Essen harter Speisen. Individuell ist die Empfindung sehr unterschiedlich, für manche sind es Schmerzen, andere sprechen von leichter Spannung. Nach wenigen Tagen verschwindet diese Wahrnehmung und man kann wieder voller Lust essen,vorausgesetzt die Tragezeit und Tragefrequenz (verordnete Tragezeit bei herausnehmbaren Geräten) wird vom Patienten eingehalten. Leider neigen einzelne Patienten dazu, das Gerät entgegen der Verordnung zu wenig oder unregelmäßig zu tragen und wundern sich dann über (selbst verschuldete) Beschwerden und Nebenwirkungen.

 

Schadet eine festsitzende Klammer den Zähnen?

Nein. Die festsitzende Apparatur schädigt die Zähne nicht, wenn sie fachgerecht eingesetzt wurde und regelmäßig (Termineinhaltung durch Patient) überprüft wird. Karies und Zahnfleischentzündungen entstehen allein durch unzureichende Zahn- und Mundpflege. Mit einer festsitzenden Klammer ist die Zahnpflege geringügig schwieriger und zeitaufwendiger. Wir erklären aber ganz genau, was zu beachten ist. Ein Glattflächenschutz (eine Versiegelung der Zähne im Bereich um die Brackets, nicht zu verwechseln mit der Fissuren-Versiegelung beim Zahnarzt) und professionelle Zahnreinigungen während der festsitzenden Klammerphase geben zusätzliche Sicherheit.

 

Müssen bleibende Zähne entfernt werden?

Ziel ist es, möglichst alle bleibenden Zähne zu erhalten und einzuordnen. In der modernen Kieferorthopädie gibt es viele Geräte, die auch bei starken Engständen Platz für alle Zähne schaffen. Wenn jedoch ein extremer Platzmangel vorliegt und große Zähne in einem sehr schmalen Kiefer keine Aussicht auf eine spannungsfreie Einordnung in die Zahnreihe haben, ist die Entfernung von bleibenden Zähnen manchmal die Therapie der Wahl und sorgt für das stabilere Ergebnis.

 

Ist die Entfernung von Milchzähnen unbedenklich?

Nein. Man sollte alles dafür tun, Milchzähne möglichst lang gesund zu erhalten, denn sie dienen auch als Platzhalter für die bleibenden Zähne. Viele Engstände, die später behandelt werden müssen, sind Folge eines vorzeitigen Milchzahnverlustes und hätten vermieden werden können. Bei stark zerstörten Milchzähnen, die sich immer wieder entzünden, ist eine Entfernung aber ratsam. Je nach Zeitpunkt der Entfernung, sollte man dann jedoch unbedingt einen Lückenhalter, eine kleine herausnehmbare Klammer, einsetzen, die die entstandene Zahnlücke offen hält, damit der Platz für den nachrückenden bleibenden Zahn erhalten bleibt.
Zudem kann es sein, dass ein Milchzahn nicht rechtzeitig ausfällt und der bleibende Zahn am Milchzahn vorbei  „schief“ durchbricht oder auch gar nicht, also im Knochen verlagert verweilt. In solchen Fällen sollten Milchzähne, aber nur nach Rücksprache mit dem Kieferorthopäden, entfernt werden, damit der bleibende Zahn sich spontan richtig einordnen kann.

 

Bleibt die Zahnstellung nach der Behandlung stabil?

Das hängt sehr vom individuellen Einzelfall und den Befunden ab, hier spielen viele Dinge eine Rolle, an die der Patient gar nicht denkt, u.a. die Zungenaktion oder die Lippenspannung. Allgemeine Aussagen sind daher schwierig, Garantien kann man in der Medizin nie formulieren, man kann nur den Einzelfall bestmöglich bewerten oder einschätzen. Nach einer aktiven Behandlung ist eine längere Stabilisierungsphase notwendig. In unserer Praxis wird z.B. nach einer festsitzenden Apparatur noch mindestens ein Jahr lang kontrolliert, dass sich die Zähne nicht wieder verschieben. In dieser Zeit wird meistens eine herausnehmbare Klammer getragen. Auch nach Abschluss der Behandlung empfehlen wir manchen Patienten, die Zähne weiter zu stabilisieren, dann am besten auch mit einem festsitzenden Haltedraht, der von innen unsichtbar hinter die Zähne geklebt wird (sog. Retainer). Absolute Sicherheit, dass sich nichts wieder verschiebt, hat man jedoch nie, auch weil die Zähne ein lebenslanges, natürliches Selbstjustierungspotential haben. Besonders bei Unterkiefer-Schneidezähnen kann es hier im Erwachsenenalter zu gewissen Engständen kommen.